Das Blatt, das fast jeder falsch liest
Zum Anpassungsschreiben dieses Hauses gehört ein zweites Papier. Es trägt die Überschrift Auslösende Faktoren für die Beitragsanpassung und darauf steht eine Tabelle mit Prozentsätzen, nach Tarif und Altersgruppe sortiert.

Wer darauf eine Zahl neben seinem eigenen Baustein findet, denkt: So viel zahle ich künftig mehr. Das ist falsch, und es steht auf demselben Blatt. Der Versicherer schreibt dort, dass die Tabelle die prozentualen Abweichungen zeigt und dass diese Prozentsätze allein nichts darüber aussagen, wie die Beitragsanpassung ausfällt.
Die Zahlen sagen etwas anderes: Sie geben an, wie weit die tatsächlichen Leistungsausgaben einer Beobachtungseinheit von dem abweichen, was in den Beiträgen kalkuliert war. Eine Abweichung von vierzig Prozent bei den Ausgaben führt nicht zu vierzig Prozent mehr Beitrag. Ein Teil der Kalkulation bleibt davon unberührt, und weitere Größen wirken gegen den Ausschlag.
Ihre eigene Zahl steht an einer anderen Stelle, nämlich im Anschreiben, aufgeschlüsselt nach Bausteinen. Diese Aufschlüsselung ist die wichtigste Zeile im ganzen Umschlag.
Warum es zwei Tabellen gibt
Auf dem Beiblatt zum 1. Januar 2026 stehen zwei getrennte Aufstellungen, und die Trennung ist keine Formsache.
Die eine gilt für Bisex-Tarife, also für Verträge, die vor 2013 geschlossen wurden. Dort sind die Werte zusätzlich nach Männern, Frauen sowie Kindern und Jugendlichen aufgeschlüsselt, weil diese Tarife geschlechtsabhängig kalkuliert sind. Die andere gilt für Unisex-Tarife mit Abschluss ab 2013.
Diese Grenze ist für einen Tarifwechsel entscheidend. Aus einem geschlechtsunabhängig kalkulierten Tarif zurück in einen geschlechtsabhängigen führt kein Weg. Wer in einem alten Bisex-Tarif steht, hat damit mehr Ziele zur Auswahl als umgekehrt, und genau dort liegen bei diesem Haus die interessanten Prüfungen.
Was dieses Haus zur Dämpfung getan hat
Eine Angabe auf dem Beiblatt verdient eine eigene Erwähnung, weil Versicherer sie nicht immer machen.
Zur Anpassung zum 1. Januar 2026 schreibt die Concordia, dass sie auch in diesem Jahr erhebliche Mittel aus der Rückstellung für Beitragsrückerstattung entnommen hat, um Erhöhungen der Beiträge zu begrenzen.
Diese Rückstellung ist ein Topf, in dem Überschüsse für die Versicherten liegen. Aus ihm können Rückerstattungen fließen, und aus ihm können Anpassungen abgefedert werden. Beides hat denselben Ursprung und lässt sich nur einmal ausgeben. Für Ihre Rechnung heißt das: Die Zahl in Ihrem Schreiben ist das Ergebnis nach dieser Dämpfung, nicht davor. Wie die Rückerstattungsseite dieser Rechnung funktioniert, steht unter Beitragsrückerstattung und ihre Schwelle.
Das Bausteinsystem, in dem Sie etwas ändern können
Die Vollversicherung dieses Hauses ist nicht als Komplettpaket gebaut, sondern aus Teilen, die Sie einzeln betrachten können. Das ist nach einer Anpassung ein Vorteil.
Die ambulante Versorgung läuft in vier Linien. Die Stufen heißen AV 1 ohne Selbstbeteiligung, AV 2 mit 600 Euro, AV 3 mit 1.080 Euro und AV 4 mit 2.040 Euro im Jahr. Für Kinder und Jugendliche gilt jeweils die Hälfte.
Das Krankenhaus steckt in drei Modulen. SV 1 bringt das Einbettzimmer mit freier Arzt- und Krankenhauswahl, SV 2 das Zweibettzimmer, SV 3 das Mehrbettzimmer bei freier Krankenhauswahl.
Die zahnärztliche Behandlung gibt es in zwei Stufen, ZV 1 und ZV 2, die sich in der Erstattung für Behandlung und Zahnersatz unterscheiden.
Dazu kommen Ergänzungen. Der Tarif VV PLUS übernimmt Kosten auch oberhalb der Gebührenordnung. Für Beihilfeberechtigte gibt es den Tarif BV, für die Pflegepflichtversicherung die Tarife PVN und PVB.
Steigt in Ihrem Schreiben nur ein einzelner Baustein, ist die Frage nach einem komplett neuen Tarif die falsche. Oft trägt eine Veränderung an genau diesem Baustein. Wie ein höherer Selbstbehalt im Ambulantbereich wirkt, zeigt die Seite zum Selbstbehalt und seiner Rechnung.
Umversicherung: so heißt der Weg hier
Dieses Haus benutzt für den Wechsel im eigenen Bestand ein eigenes Wort. Nach seiner Darstellung ist ein Tarifwechsel innerhalb der Concordia als Umversicherung ohne komplette Kündigung möglich, und der Versicherer erstellt dazu Umversicherungsangebote.
Rechtlich ist das der Anspruch aus § 204 VVG. Erworbene Rechte bleiben erhalten, die Alterungsrückstellung wird angerechnet, das Eintrittsalter bleibt das alte. In den Bedingungen erscheint diese Anrechnung als Nachlass auf den Beitrag zum erreichten Lebensalter und trägt dort den Namen Umstellungsrabatt.
Zwei Regeln gehören dazu. Bei einem Übertritt aus einem Tarif oder einer Tarifstufe mit niedrigeren Leistungen gelten die Bestimmungen über den Beginn des Versicherungsschutzes entsprechend; für die Mehrleistungen laufen damit Wartezeiten. Und die Dauer einer bestehenden Vorversicherung mit gleichartigen Leistungen wird bei einem Tarifwechsel angerechnet, was für Zahnstaffeln und Summenbegrenzungen zählt. Wie dieser Antrag im Einzelnen aufgebaut ist, steht auf der Seite zum internen Tarifwechsel.
Was sich mit dem Beitrag noch ändern kann
Eine Zeile in den Bedingungen wird regelmäßig überlesen, und sie kann die Rechnung verschieben.
Im Zuge einer Beitragsanpassung können unter den gleichen Voraussetzungen auch eine betragsmäßig festgelegte Selbstbeteiligung angepasst und ein vereinbarter Risikozuschlag entsprechend geändert werden. Dazu nennen die Tarifbedingungen betragsmäßig festgelegte Leistungshöchstsätze und Ersatzkrankenhaustagegelder.
Ihr Monatsbeitrag kann also moderat steigen, während gleichzeitig Ihre Selbstbeteiligung angehoben wird. Beide Veränderungen zusammen ergeben erst die wirkliche Belastung über das Jahr. Wer nur die Beitragszeile vergleicht, vergleicht die Hälfte.
Auf der anderen Seite steht ein Mechanismus, der für Sie arbeitet. Höchsterstattungsbeträge, die in Euro festgelegt sind, verlieren über zwanzig Jahre an Wert, wenn sie nie angehoben werden. Dass sie im Zuge einer Anpassung mitwachsen können, erhält den Wert Ihres Schutzes. Eine Anpassung belastet also, und sie hält den Schutz zugleich auf Stand.
Fristen, die Sie kennen sollten
Drei Zeitangaben spielen hier zusammen, und sie werden oft verwechselt.
Die Anpassung selbst wird nach den Bedingungen zu Beginn des zweiten Monats wirksam, der auf die Benachrichtigung folgt. Dasselbe sagt § 203 Abs. 5 VVG. Ein Schreiben im November wirkt damit ab Januar.
Das Kündigungsrecht nach einer Erhöhung läuft zwei Monate ab Zugang der Mitteilung, so steht es in § 205 Abs. 4 VVG. Maßgeblich ist der Tag, an dem der Brief bei Ihnen eintrifft, nicht das Datum im Briefkopf.
Daneben gibt es die vertragliche Laufzeit. Der Vertrag wird pro Person und Tarif erstmals für zwei Versicherungsjahre abgeschlossen und verlängert sich dann stillschweigend um je ein Versicherungsjahr, kündbar drei Monate vor Ablauf. Für eine Umversicherung brauchen Sie keine dieser Fristen, denn das Recht aus § 204 VVG ist an keinen Termin gebunden. Welche Fristen nach einem Anpassungsschreiben allgemein gelten, fasst die Seite Beitragsanpassung Schritt für Schritt zusammen.
Warum der Beitrag steigt, und was hier nicht steht
Der Mechanismus ist gesetzlich geregelt. Die Bedingungen dieses Hauses beschreiben ihn in eigenen Worten: Mindestens jährlich werden für jeden Tarif die erforderlichen mit den kalkulierten Versicherungsleistungen und Sterbewahrscheinlichkeiten verglichen. Ergibt der Vergleich für eine Beobachtungseinheit eine Abweichung von mehr als fünf Prozent, werden die Beiträge überprüft und, soweit erforderlich, mit Zustimmung des Treuhänders angepasst.
Das ist kein Fehlverhalten und keine Willkür, sondern § 203 Abs. 2 VVG in der Fassung eines Bedingungswerks. Deshalb bewerten wir dieses Haus nicht und stellen keine Rangliste nach Erhöhungen auf. Beihilfeberechtigte finden ihre eigene Lage unter Beamte und ihre Restkosten beschrieben.
Wir beraten unabhängig. Ein Vertragsverhältnis zur Concordia haben wir nicht, wir sind kein Vertragspartner und keine Vertretung dieses Unternehmens.
Was gegen eine schnelle Kündigung spricht
Eine Kündigung innerhalb der Zwei-Monats-Frist ist wirksam und endgültig. Drei Folgen sollten Sie kennen, bevor Sie diesen Weg wählen.
Von Ihrer Alterungsrückstellung geht nur der Übertragungswert mit, nicht der angesparte Gesamtbetrag. Bei langjährigen Verträgen ist der Unterschied erheblich, und er wirkt dauerhaft.
Beim neuen Versicherer wird Ihr heutiges Alter als Eintrittsalter angesetzt. Diese Rechengrundlage lässt sich später nicht korrigieren.
Und ein neuer Vertrag verlangt einen vollständigen neuen Antrag. Alles, was seit dem ersten Abschluss geschehen ist, wird dann wieder zum Thema. Bei einer Umversicherung im eigenen Haus bleibt dieser Teil bei gleichartigem Schutz außen vor.
Was wir uns ansehen
Vier Angaben tragen das Gespräch: Ihre Bausteine mit ihren Ziffern, die vereinbarten Selbstbeteiligungen, das Jahr des Vertragsschlusses und Ihr Eintrittsalter. Die ersten drei stehen im Versicherungsschein, das Eintrittsalter ebenfalls.
Daraus ergibt sich, welcher Baustein den Sprung verursacht hat, ob eine Umversicherung in diesem Baustein etwas bringt und ob Ihre Vertragsgeneration den Weg freigibt. Manchmal ist die ehrliche Antwort, dass der Vertrag gut sitzt und nichts zu ändern ist.
Wenn Schein, Schreiben und das Blatt mit den auslösenden Faktoren vor Ihnen liegen, klärt ein Anruf unter 030 7593 7030, welcher Baustein den Hebel hat.